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onvista media GmbH
Onvista Logo 2017.png
Rechtsform GmbH
Gründung 1998
Sitz Köln[1]

Leitung

  • Christian Bothe
  • Markus Nimtz
Branche Medien
Website www.onvista.de

www.onvista-media.de

Die onvista media GmbH ist ein deutsches Medienunternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main.[2] Es betreibt eines der reichweitenstärksten deutschen Finanzportale unter der Domain onvista.de.[3] Onvista Media ging aus der 1998 in Köln gegründeten Aktiengesellschaft Onvista hervor, die von 2000 bis 2015 börsennotiert war.[4][5] 2007 übernahm Boursorama Onvista,[6] anschließend wurde unter anderem die Onvista Bank ins Leben gerufen.[7] Seit 2017 gehören sowohl Onvista Media als auch die Onvista Bank zu Comdirect,[8] einer Tochtergesellschaft der Commerzbank.[9][10]

Geschichte Bearbeiten

Gründung und Börsengang Bearbeiten

1998 gründeten Stephan Schubert, Michael W. Schwetje und Fritz Oidtmann ein Finanzportal, das zunächst auf die Analyse von Optionsscheinen spezialisiert war.[11] Die älteste Version von onvista.de stammt laut Internet Archive von Anfang November 1998.[12] Als Betreibergesellschaft fungierte damals eine GmbH & Co. KG mit Sitz in Köln.[13][14] Das Unternehmen wurde 1999 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um den Börsengang vorzubereiten.[15]

Anfang 2000 verzeichnete onvista.de rund zwölf Millionen Besucher monatlich,[16] im Handelsblatt wurde das Finanzportal als „Bloomberg für Privatanleger“ beschrieben.[17] Onvista entwickelte sich zu einem führenden unabhängigen Anbieter von Finanzinformationen.[18] Das Unternehmen verdiente nicht nur am Verkauf von Werbung, sondern auch an der Lizenzierung von Finanzinformationen an Banken, Finanzdienstleister und Medienunternehmen. Kunden waren beispielsweise die Consorsbank und N24.[19]

Aufgrund des stetigen Wachstums beteiligten sich immer mehr Privatinvestoren an Onvista, im Februar 2000 stieg auch Hubert Burda Media ein.[20] Noch im selben Monat startete der Handel von Onvista-Aktien im Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse.[4] Ungeachtet von Kurseinbrüchen während der Dotcom-Blase war die Neuemission vielfach überzeichnet.[21][22][16] Auch nach dem Börsengang hatten Investoren großes Interesse am Unternehmen.[23]

Kooperationen und Übernahmen Bearbeiten

Bei Anlegern stieß unter anderem die Kooperation von Onvista mit der Großbank Société Générale auf Zustimmung.[24] Im Jahr 2000 beteiligte sich Onvista zu einem Drittel an Prozentor, einem Dienstleister für die Prognose von Kursverläufen,[25] sowie zu einem kleineren Teil an Altus Analytics, einem Spezialisten für die Übertragung von Audio und Video im Internet.[26] Mit dem Finanzdienstleister Lang & Schwarz wurde eine Vereinbarung getroffen, die Besuchern von onvista.de den Zugriff auf Aktienkurse von rund 500 Unternehmen in Echtzeit ermöglichte.[27] Onvista begann, Versicherungen des Vermittlers Censio über onvista.de zu verkaufen.[28] Außerdem kündigte man ein Bonussystem für Aktiengeschäfte an, das über die Tochtergesellschaft Trademiles realisiert werden sollte. Es belohnte Anleger für den Handel mit Wertpapieren.[29]

Diversifizierung des Geschäftsmodells Bearbeiten

Mitte 2000 erreichte Onvista erstmals die Gewinnschwelle,[30] im gesamten Jahr versiebenfachte man den Umsatz.[31] Das Unternehmen betrieb das erfolgreichste deutschsprachige Finanzportal gemessen an der Reichweite.[32] 2001 begann Onvista dann die Expansion ins Ausland mit dem Ziel, Marktführer in Europa zu werden.[33][34] Der Start der Finanzportale in Frankreich und Großbritannien belastete den Gewinn.[35] Obwohl der Konzernumsatz zulegte,[36][37] weitete Onvista im weiteren Verlauf des Jahres 2001 die Verluste aus.[38] Um den eigenen Aktienkurs zu stützen, leitete das Unternehmen Mitte 2001 einen Aktienrückkauf ein.[39] Gleichzeitig wurde das Angebot kostenpflichtiger Inhalte auf onvista.de vergrößert, beispielsweise um einen Investorenbrief.[40][41] Die Maßnahmen führten 2002 zu einer Stabilisierung des Geschäfts von Onvista.[42][43]

Ende 2002 gliederte Onvista ihre beiden Geschäftsfelder in weitgehend unabhängige Tochtergesellschaften aus:[44] Die Lizenzierung von Finanzinformationen wurde in Onvista Technologies gebündelt. Das Unternehmen fusionierte ein Jahr später mit einem Konkurrenten zu IS Teledata, dem europaweit größten Anbieter von Finanzinformationen.[45][46] Onvista behielt einen Anteil von 32 %. Der Betrieb des Finanzportals onvista.de und der Verkauf von Werbung kamen unter das Dach von Onvista Media.[47] Diese Gesellschaft schrieb weiterhin schwarze Zahlen.[48] Das Geschäftsfeld wurde 2004 durch die Übernahme von Onmeda gestützt, einem Betreiber von Portalen zum Thema Gesundheit.[49][50] Man versuchte so, unabhängiger vom Kerngeschäft zu werden.[51] Mittelfristig sollte onmeda.de ähnliche Erträge wie onvista.de erwirtschaften.[14]

Investitionen in die Online-Werbung Bearbeiten

Onvista Media entwickelte sich spätestens ab 2005 immer mehr zu einem werbeorientierten Internetunternehmen.[52] Das Performance-Marketing wurde ein wichtiges Wachstumsfeld, beliebt war beispielsweise die Adressakquise.[53] 2005 führte Onvista Media für sein Performance-Marketing-Angebot die Marke Ligatus ein.[54] Um dieses Geschäftsfeld weiter zu forcieren, trennte sich Onvista von der Beteiligung an IS Teledata. Der Anteil in Höhe von 36 % wurde an die Interactive Data Corporation verkauft, was von Experten positiv bewertet wurde und Onvista zusätzliche Liquidität verschaffte.[55][56] 2006 schüttete Onvista eine Sonderdividende in Millionenhöhe aus.[57]

Die restlichen Mittel verwendete Onvista unter anderem für die Akquisition des Werbevermarkters Ad2Net und den Start des Adress-Brokerage-Portals Namendo Anfang 2007.[58][59] Das Unternehmen versuchte auf diesem Weg, neue Erlösquellen innerhalb bestehender Geschäfte zu erschließen.[60]

Verkauf und Strategiewechsel Bearbeiten

Im September 2007 kündigte der französische Online-Broker Boursorama die Übernahme von Onvista an.[6][61] Die Tochtergesellschaft der Société Générale einigte sich mit vier Großaktionären auf die Übernahme von 77 % der Anteile und machte den verbleibenden Aktionären ein Übernahmeangebot.[62] Bei den Verkäufern handelte es sich nach Medienberichten um die drei Onvista-Gründer sowie Hubert Burda Media.[63] Boursorama setzte einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag durch und band Onvista so dauerhaft an sich.[64] Die Übernahme selbst stand vor dem Hintergrund branchenweiter Investitionen etablierter Konzerne in Finanzportale und -dienstleister zu dieser Zeit.[65]

Die neuen Eigentümer setzten einen Strategiewechsel durch: Onvista Media konzentrierte sich fortan ausschließlich auf Betrieb und Vermarktung des Finanzportals und der 2007 gegründeten Börsen-Community Tradingbird.[66][67] Ad2Net, Onmeda und Ligatus wurden verkauft, Namendo eingestellt.[68][69][70][71] Boursorama kündigte an, die Marke Onvista auch für ihr Wertpapiergeschäft in Deutschland zu nutzen, das zuvor als Fimatex firmierte.[7] Zunächst erhielt es den Namen Onvista Financial Services, erst mit Eintragung einer neuen GmbH im Handelsregister 2009 wurde die Marke Onvista Bank offiziell eingeführt.[72][73] 2010 kam das deutsche Geschäft der schwedischen Nordnet Bank zur Onvista Bank, wodurch diese rund 10.000 neue Kunden erhielt.[74] Ungeachtet der erfolgreichen Positionierung als Online-Broker belastete die Umstrukturierung die Ertragskraft von Onvista.[75]

Standortverlagerung und Delisting Bearbeiten

2009 bot die Onvista Bank als erster deutscher Online-Broker kostenlose Wertpapierkäufe an.[76] Ab 2012 verzichtete das Unternehmen auch auf Ausgabeaufschläge, sodass eine Fondsorder zu den gleichen Konditionen wie Aktien abgerechnet wurde.[77][78] Diese Änderungen und eine höhere Volatilität an den Märkten ermöglichten es Onvista, nach zwei verlustreichen Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben.[79] 2014 kündigte das Unternehmen dann überraschend an, seinen Hauptsitz von Köln nach Frankfurt am Main zu verlegen. Dort war bereits die Onvista Bank ansässig. Durch die gemeinsame Nutzung von Büros und Technik sollten die Kosten weiter gesenkt werden.[80]

Außerdem wurde ein Delisting von Onvista beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich über 92 % der Anteile im Besitz von Boursorama.[81] Die Ankündigung führte kurzfristig zu Kursverlusten, jedoch erholte sich die Onvista-Aktie im weiteren Verlauf wieder.[82][83] 2015 beschloss die Hauptversammlung einen Squeeze-out und die Barabfindung der verbleibenden Aktionäre.[84] Der Handel der Onvista-Aktie im General Standard der Deutschen Börse endete schließlich am 10. Juni 2015.[5]

Übernahme durch Comdirect Bearbeiten

Ende 2016 kündigte die Comdirect den Kauf von Onvista an.[85] Damit kamen die Onvista Bank und Onvista Media unter das Dach des Kreditinstituts.[86][87] Erstere hatte zu diesem Zeitpunkt rund 100.000 Kunden und betreute ein Vermögen von über 2,5 Milliarden Euro.[88] Mit der Akquisition von Onvista stärkte die Comdirect ihre Position als Online-Broker und baute die Aktivitäten im Bereich der Medienbranche signifikant aus.[89][90] Im Februar 2017 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme,[91] auch die Bankenaufsicht hatte keine Einwände.[92]

Der Erwerb von Onvista durch Comdirect fand im April 2017 seinen Abschluss. Die Onvista Bank wurde als Geschäftsbereich der Muttergesellschaft fortgeführt, während Onvista Media als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Comdirect weitgehend eigenständig blieb.[93] Anschließend passte man das Corporate Design von Onvista einschließlich Logo und Farbgebung an das Erscheinungsbild der Comdirect an.[94] Es wird erwartet, dass die Onvista Bank und Onvista Media im Laufe der nächsten Jahre signifikant zum Gewinn der Comdirect-Gruppe beitragen werden.[95]

Unternehmensstruktur Bearbeiten

Onvista Media ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht. Sie firmiert als onvista media GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main und einem zweiten Standort in Köln. Ihr Geschäftszweck ist „der Betrieb und die Vermarktung von Portalen im Internet sowie die Zurverfügungstellung und Publikation von Daten in sonstigen Medien“. Das Stammkapital beträgt 117.650,00 Euro. Die Gesellschaft hat einen oder mehrere Geschäftsführer.[1] Derzeit sind dies Christian Bothe, Markus Nimtz und Christian Wendrock-Prechtl.[96]

Nach der Übernahme von Onvista durch Comdirect wurde die Onvista Bank aus dem Handelsregister ausgetragen.[73] Seitdem ist sie ein Geschäftsbereich der „comdirect bank AG“ mit Sitz in Quickborn. Durch die Verschmelzung des Kreditinstituts auf seine Muttergesellschaft sparte man eine der beiden Banklizenzen.[97] Außerdem vereinfachte man so die gesellschaftsrechtlichen Strukturen und die regulatorische Berichterstattung.[98]

Geschäftsfelder Bearbeiten

Onvista Media Bearbeiten

Onvista Media betreibt und vermarktet das Finanzportal unter der Domain onvista.de.[99] Dieses erreichte im Juli 2017 nach Angaben der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern rund 58 Millionen Page Impressions (38 Mio. stationär und 20 Mio. mobil) und etwa 10,5 Millionen Visits (6,6 Mio. stationär und 3,9 Mio. mobil). Damit zählt onvista.de zu den reichweitenstärksten digitalen Finanzmedien im deutschsprachigen Raum.[100] Neben Basis- und Kursdaten aller gängigen Wertpapiertypen besitzt onvista.de eine Rubrik für Nachrichten zu Wirtschaftsthemen.[101]

Besucher von onvista.de können sich für den kostenlosen Bereich „myonvista“ registrieren, um im Forum zu schreiben oder das Portal zu personalisieren, beispielsweise das Anlegen von Musterdepots oder Beobachtungslisten für Wertpapiere. Ferner ermöglicht „myonvista“ den Zugriff auf kostenpflichtige Inhalte: Dazu gehören etwa Echtzeitkurse der Indizes der Deutschen Börse oder des gesamten Xetra-Handels.[102][103]

Die Geschäftseinheit Onvista Media Sales vermarktet nicht nur das Finanzportal onvista.de, sondern auch andere Websites, darunter beispielsweise die Börse Stuttgart, des Delius Klasing Verlags und des Deutschen Golf Verbands.[104][105]

Onvista Bank Bearbeiten

Die Onvista Bank ist ein Angebot der Comdirect.[106] Kernprodukt sind Depots, wobei Kunden zwischen einem Freebuy- und Festpreis-Modell wählen können. Bei der Onvista Bank sind alle gängigen Wertpapiertypen börslich und außerbörslich handelbar, einschließlich Aktien, Anleihen, Fonds, Optionsscheinen, Zertifikaten, CFDs und ETFs.[106] Neben dem Handel über Telefon sowie die klassische und mobile Website bietet die Onvista Bank die Handelssoftware GTS an, die beispielsweise kostenlose Echtzeitkurse enthält.[107]

Kritik Bearbeiten

2001 wurde Onvista vorgeworfen, unzulässigerweise Kursdaten der Vereinigten Wirtschaftsdienste verwendet zu haben. Das Unternehmen gab eine Unterlassungserklärung ab und rechtfertigte sich, mit den über Teletext abgerufenen Informationen ein Backup-System aufgebaut zu haben, das man für rechtlich einwandfrei hielt.[108]

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

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