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Marie Luise Gruhne, geb. Keller, (*1962 in Frankfurt am Main) ist eine zeitgenössische deutsche Künstlerin.

BiografieBearbeiten

Nach Abschluss des Studiums der Kunst bei Prof. Robert Preyer an der FH Wiesbaden setzte die Künstlerin ihr Studium im Bereich der Kunst und Kunstgeschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz fort. In diese Zeit fielen längere Auslandsaufenthalte. Gefördert durch mehrere Stipendien nahm sie nach dem Hauptstudium ein Promotionsstudium auf. Nach ihrem Studium arbeitete Marie Luise Gruhne als Designerin und Künstlerin. Sie lebt und arbeitet heute in Wiesbaden.

WerkeBearbeiten

Schon in ihren frühen künstlerischen Arbeiten sucht die Künstlerin Wege, um weniger bewusste oder auch unbewusste Strömungen in Seinszuständen fühlbar zu machen. Prägend sind hier die Schriften von Karlfried Graf Dürckheim, in denen sie mit dem Begriff der "Seinsfühlung“ in Kontakt kommt, aber auch ihre Arbeit mit dem I Ging (ca. 3000 v. Chr.), durch die sie sich mit der Seinsbetrachtung aus östlicher Sicht auseinandersetzt. Um die Mitte in einem künstlerischen Dialog zwischen bewussten und unbewussten Prozessen zu finden, fordert sie diesen heraus wie z.B. in "Gioia“ 1991, "Laura“ 1992 oder der "Entwerdung“ 2001, da nach ihrem Verständnis hierdurch Sein in seiner Essenz greifbar werden kann. In ihrer Arbeit Gioia setzt sie Papierstreifen, auf denen die Farbe von ihr zufällig beim Aquarellieren eines Bildes abgestreift wurde, wie Notizen zusammen. Es sind zufällige Notizen, aus denen jene Gefühle fühlbar werden, die sie im gestalterischen Prozess des anderen Werkes begleitet haben. Gioia zeigt unbe-wusste Prozesse bis zu dem Moment ihres bewussten Zueinandersetzens.

In ihren aktuellen Arbeiten begibt sie sich in einen Dialog mit der Materie des Werkes (Farbe, Leinwand, Vlies etc.). Ihre Arbeiten weisen nun Formen aus Gewebe, Vlies oder Papier auf. Es entstehen dadurch plastische Strukturen, auf die sie im Wechsel mit Farbe und Schleifpapier reagiert. Durch diesen dialogischen Vorgang, den die Künstlerin als "Seinsbetrachtung" bezeichnet, sucht sie dem essentiellen Ausdruck der Materie näher zu kommen. Im Laufe ihres Arbeitsprozesses reduziert sie schrittweise ihre subjektive Einflussnahme - dort, wo sie den natürlichen Ausdruck der Materie hindert oder verdeckt. Korrekturgebend ist damit die Materie selbst, das Resultat vorrangig vom Objekt, der Materie bestimmt - begleitet von ihrer Arbeit mit dem I Ging, mit der sie sucht, zu einem weitgehend absichtslosen Ansatz zu gelangen. Von ihrer Wertigkeit her sind diese Formen für Marie Luise Gruhne auf dieser Ebene im künstlerischen Prozess reine Materie – Sein, wie auch Farbe, Leinwand, Vlies etc. selbst.

Auf einer zweiten Ebene geht für sie von diesen Formen gestaltimmanent und damit zusätzlich eine geistige Aussage aus. Die Gestalt ist urbildhaft, archetypisch. Hierdurch entsteht innerhalb des Werkes eine Umgebung, die die Arbeit der Künstlerin mental als Impulsgeber begleitet. Formen wie der Tempel, der Turm und das Tor, so wie sie ihre Werke zeigen, stehen archetypisch für eine Umgebung, die die Betrachtung des Seins wie die Suche danach in der Menschheit seit Urbeginn begleitet. Die Künstlerin wählt die "Sprache" dieser Urbilder damit nicht als eine figurative, sondern als eine geistige Umgebung, in der sie ihre Arbeit - aber auch der Betrachter seine Betrachtung - innerlich entwickeln kann. ″Ein Bild lebt in Gemeinschaft, indem es sich in den Augen des einfühlsamen Betrachters entfaltet und dadurch in ihm auflebt″(Mark Rothko, 1947). Urbilder zeigen das Wesentliche menschlicher Existenz und erinnern uns an das Sein und dessen Betrachtung, vermittelt die Künstlerin zu deren Bedeutung in ihren Arbeiten. Das ist der zweite Ansatz bei ihrer Verwendung dieser Formen.

Ihre Dialoge entwickelt sie vorwiegend in großformatigen Werken. Leinwand, Farbe, Gewebe, Papier etc. sind für sie gleichwertige Bestandteile des jeweiligen Werkes oder auch "Objektraumes", wie sie es bezeichnet: Inmitten dieser Materie - gleich einem Raum voller Objekte - bewegt sie sich dialogisch innerhalb ihrer Suche nach einer absichtslosen Wahrnehmung von Sein, einem Sein vor seiner traditionellen, intellektuellen bzw. intentionalen Einordnung. Marie Luise Gruhne schrieb als Künstlerin, Kunsthistorikerin und Designerin eine Anzahl von Texten. In ihrem Aufsatz "Beobachtungen zur "Madonna die Raccomandati" Lippo Memmis im Dom von Orvieto" arbeitet sie das Wesentliche in den Werken sienesischer Maler des Trecento heraus und weist hierdurch auf Werkstattzusammenhänge hin. Ihr Forschungsansatz wird auch hier durch eine Suche nach dem Wesenhaften, Essentiellen bestimmt.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Marie-Luise Keller-Gruhne: Beobachtungen zur "Madonna dei Raccomandati" Lippo Memmis im Dom von Orvieto. In: Festschrift Hartmut Biermann, Weinheim 1990, S. 81-108, 327-335
  • Galerie Hant (Hrsg.): Michael Post Wandobjekte. Frankfurt 1991 (Texte: Marie Luise Keller, Hans Zitko)
  • Pade (Hrsg.): Pade Garne. Kataloge 57-68, Neu Isenburg/Zeppelinheim 1999 - 2006 (Texte und Design: Marie Luise Gruhne)

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